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El sueño gitano

El sueño gitano - Hommage à José Reyes

Toti Soler

World

CD amiataemozioni ae 1043: «El sueno gitano»

José Reyes kommt 1928 in Nizza als Sohn eines Pferdehändlers zur Welt. Seine Familie gehört zur großen Gruppe der spanischen Zigeuner, deren musikalischen Formenreichtum er schon mit der Muttermilch aufsaugt: Morescas, Choreras, Rumba Gitana, aber auch die Varianten des andalusischen Cante Jondo: Fandangos, Saétas, Buleria. Als José mit 18 Jahren Clementine heiratet und sich in Arles niederlässt, ist er zu einem "Flamenco por los quatro costados" herangereift. Trotzdem ergreift er einen "anständigen Zigeunerberuf": er fährt über die Märkte und verkauft
Tuch, Stoffe, Kleider und handelt daneben mit Alteisen und Antiquitäten. Vor allem aber ist er Familienvater. Zwölf Kinder schenkt ihm Clementine, von denen eines (Lucien) kurz nach der Geburt stirbt.

Der junge José Reyes ist überall beliebt mit seinem Humor und seiner guten Stimme. Allmählich dringt sein Ruf als großer Cantaor bis Spanien, von wo immer öfter Kollegen anreisen, um ihn zum Gesangsduell herauszufordern. Keiner hat ihn darin je als Unterlegenen erlebt.

1963 folgt José Reyes zusammen mit seinem Cousin Manitas de Plata einer Einladung nach Amerika. Der schwarzgelockte Bilderbuchzigeuner mit der "husky voice", die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, taucht das Publikum in emotionale Wechselbäder, lässt es einen Blick werfen auf die Höhen und Tiefen des nicht immer so lustigen Zigeunerlebens. Gefühle von Schmerz, Trauer, überschäumender Lebensfreude und Erotik erreichen die Zuhörer auch ohne dass diese Josés Texte verstehen. Eine beispiellose Karriere beginnt. 13 Jahre lang erobern die beiden Cousins aus der Camargue die Herzen der Menschen auf fünf Kontinenten, füllen die größten Konzertsäle und nehmen etliche Schallplatten auf. Salvador Dalì widmet José eine Zeichnung, Picasso signiert die Gitarre von Manitas. José bleibt bei allem Erfolg bescheiden, zieht während der Tournee-Pausen wie eh und je als Händler über die Märkte und lebt mit seiner Familie hauptsächlich im Wohnwagen.

1975 trennen sich die Wege von Manitas und José, dessen älteste Söhne es mittlerweile als Sänger und Girarristen auch schon zu überdurchschnittlichem Niveau gebracht haben. Mit Paul, Canut, Patchaï, Nicolas und dem späteren Schwiegersohn Chico entsteht die Gruppe José Reyes et Los Reyes". Vier außergewöhnliche Stimmen, fünf rhythmisch perfekt aufeinander eingespielte Gitarristen und Chicos Organisationstalent bringen die Formation bald auf Erfolgskurs. Man avanciert zum Liebling des französischen Jetsets. Baronin Jacqueline de Goldschmidt-Rothschild lädt José und seine Söhne in die Schweiz ein, wo sie bei Tudor zwei LPs einspielen. 1977 feiert ein begeistertes Publikum die Reyes tagelang im Pariser Olympia.

Ein Jahr später geht José  mit seiner Gruppe erneut nach Amerika. Die Reise steht unter keinem guten Stern. José fühlt sich seit längerem ungewohnt geschwächt. Wieder in Europa lässt er sich ärztlich untersuchen. Die erschütternde Diagnose: Lungenkrebs. Die folgende Operation kommt zu spät. Am 6. Juni 1979 stirbt José Reyes wenige Tage nach der großen Zigeunerwallfahrt in Les-saintes-Maries-de-la-Mer.

In den Herzen der Seinen und aller, die ihn gekannt oder live gehört haben, lebt José Reyes weiter. Seine Lieder, von denen einige der schönsten hier vorliegen, sind sein Vermächtnis. Seine Söhne und Enkel feiern heute unter dem Namen «Gipsy Kings»  und «Gitano Family» auf denselben Bühnen weltweit Triumphe wie einst ihr Vater.
Christian Philippi

Musiker: Gitano Family, José Reyes, Los Reyes

5. Februar 2012